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10 beliebte Vorurteile über KI

Über kaum ein Thema reden so viele Leute, die es nicht verstehen, wie über KI. Ich nehme mich da nicht aus – auch ich verstehe längst nicht alles. Trotzdem versuche ich hier mal ein paar häufige Vorurteile und Irrtümer auszuräumen, die immer noch durch die Presse und das Internet geistern.

 

1.  Vorurteil: „Künstliche Intelligenz“ bedeutet „Denken wie ein Mensch“.

Wahrheit:  Bei KI geht es um die Automatisierung von Entscheidungen, die bisher Menschen treffen. Es kommt dabei nicht darauf an, dass menschliche Denkprozesse 1:1 abgebildet werden. Wichtig ist nur, dass die KI eine Entscheidung ebenso gut oder besser treffen kann als ein Mensch.

 

2. Vorurteil: Wir müssen uns erst Sorgen machen, wenn Computer intelligenter sind als Menschen.

Wahrheit: Die Probleme, die aus KI resultieren, betreffen uns bereits heute und könnten sich in den nächsten Jahren deutlich verschlimmern, lange, bevor wir das Ideal einer „allgemeinen“ oder „starken“ KI erreicht haben, die tatsächlich ähnlich leistungsfähig ist wie ein menschliches Gehirn.

 

3. Vorurteil: Computer werden niemals intelligenter sein als Menschen.

Wahrheit: Davon abgesehen, dass „Intelligenz“ nicht sauber definiert ist: Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass nicht jede menschliche Entscheidung prinzipiell automatisierbar ist. Ob eine einzelne KI ALLE Entscheidungen besser treffen kann als ein Mensch, ist dabei unerheblich, solange es für jede Entscheidung eine KI gibt, die sie besser treffen kann.

 

4. Vorurteil: Die größte Gefahr liegt darin, dass KIs einen eigenen Willen entwickeln und sich gegen die Menschen auflehnen.

Wahrheit: Die größte Gefahr liegt darin, dass die KIs genau das tun, was wir ihnen sagen – und wir uns im Nachhinein wünschen, wir hätten etwas anderes gesagt, weil wir die Konsequenzen unserer Anweisungen nicht überblickt haben.

 

5. Vorurteil: KIs können keinen eigenen Willen entwickeln.

Wahrheit: Jede KI hat einen „Willen“ in Form eines Ziels, das sie zu erreichen versucht. Dieses Ziel kann sehr wohl zu Handlungen der KI führen, die im Widerspruch zu den Wünschen des Auftraggebers stehen.

 

6. Vorurteil: KIs können kein Bewusstsein entwickeln.

Wahrheit: Niemand weiß, wie „Bewusstsein“ funktioniert, aber es wird von unserem Gehirn erzeugt, das aus nichts als Atomen besteht und den Gesetzen der Physik gehorcht. Prinzipiell kann es also nachgebaut oder simuliert werden. Davon abgesehen ist es für die weitaus meisten KI-Risiken unerheblich, ob eine KI ein „Bewusstsein“ hat.

 

7. Vorurteil: KIs können keine eigenen Ideen und Lösungsstrategien entwickeln und nicht kreativ sein.

Wahrheit: Alpha Zero hat in drei Tagen gelernt, besser Go zu spielen als der beste Spieler der Welt – ohne irgendeine Anleitung durch Menschen, einfach durch Herumprobieren und Spielen gegen sich selbst. KIs können Bilder malen und Musik komponieren, die Experten nicht von menschlichen Werken unterscheiden können.

 

8. Vorurteil: KIs können keine Gefühle haben.

Wahrheit: Was ist ein „Gefühl“? Wenn eine Maus Gefühle hat und man ein Mäusegehirn im Computer simulieren kann, dann hat per Definition der Computer „Mäusegefühle“. Die simulierte Maus wüsste nicht, dass sie nicht real ist. Es ist absolut möglich, KIs zu entwickeln, die „Angst“, „Liebe“ oder „Hass“ empfinden können – auch wenn das vielleicht nicht exakt dieselben Gefühle sind wie bei einem Menschen. Ob man das tun sollte, ist eine andere Frage.

 

9. Vorurteil: Vor den Risiken von KI zu warnen ist bloß Panikmache.

Wahrheit: Wenn das stimmte, dann wäre vor den Risiken der Atomkraft, der Gentechnologie oder des Klimawandels zu warnen auch bloß „Panikmache“. Grund zur Panik besteht nur, wenn diejenigen, die eine potenziell gefährliche Technik entwickeln oder nutzen, sich keinerlei Gedanken über die Risiken machen (das gilt für eine Packung Streichhölzer genauso wie für KI).

 

10. Vorurteil: Die Menschen hatten schon immer Angst vor Technik, die sich später stets als unbegründet herausgestellt hat.

Wahrheit: Klimawandel, Umweltverschmutzung und drohende Nuklearkriege zeigen, dass Technik sehr reale negative Effekte hat, die langfristig womöglich sogar den Nutzen überwiegen. „Schon immer“ hilft uns nicht weiter, denn wir befinden uns in einer Situation, die es noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gegeben hat: Zum ersten Mal bauen wir Maschinen, die uns nicht nur körperliche Arbeit, sondern auch unsere Entscheidungen und unser Denken abnehmen. Zu glauben, dass das keine negativen Auswirkungen haben KANN, ist äußerst naiv.

 

Ich werde auf die meisten dieser Punkte in späteren Beiträgen detaillierter eingehen und diese dann hier verlinken.


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