Ich bekomme seit einiger Zeit immer wieder Zuschriften von Menschen, die glauben, im intensiven Dialog mit einer KI eine bahnbrechende Entdeckung gemacht zu haben. Meist erhalte ich dann zum
Beweis lange überwiegend KI-generierte Texte oder Dialogprotokolle. Dieses Phänomen ist weit verbreitet, fast alle KI-Experten berichten davon, ähnliche Zuschriften zu erhalten.
Ich lese diese Texte grundsätzlich nicht. Dafür fehlt mir schlicht die Zeit, aber es ist auch in aller Regel unergiebig.
Wenn Sie selbst glauben, im Dialog mit Ihrer KI eine große Entdeckung gemacht zu haben, muss ich Sie leider enttäuschen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie einer Illusion zum Opfer gefallen
sind. Denn die KI spielt Ihnen bei diesen "wissenschaftlichen" Diskursen eine Rolle vor: Sie gibt Ihnen das Gefühl, brillant zu sein, und bestärkt Sie in allem, woran Sie arbeiten oder glauben -
völlig unabhängig davon, ob das tatsächlich sinnvoll ist. Man kann sich das wie eine Mutter vorstellen, die das Bild ihres sechsjährigen Kindes lobt, statt auf die anatomischen Fehler darin
hinzuweisen.
Ich rate allen Betroffenen, das Experiment zunächst für mindestens einen Monat zu unterbrechen und danach noch einmal mit frischem Blick darauf zu schauen - OHNE mit der KI erneut darüber zu
reden. Wer nicht so lange warten will, kann eine andere KI, mit der er/sie noch keinen Kontakt hatte, um sachliche, direkte und unverblümte Kritik bitten. Sagen Sie dabei am besten, dass Sie das
Dokument nicht selbst verfasst, sondern von einem Bekannten bekommen haben.
Grundsätzlich gilt: Was eine KI schreibt, kann manchmal sinnvolle Hinweise geben, hat aber für sich allein genommen niemals echte Beweis- oder Aussagekraft und muss immer kritisch hinterfragt
werden. KIs "wollen" uns nicht die Wahrheit sagen, sondern uns gefallen - darauf werden sie trainiert. Das sollte man niemals vergessen.
Nachtrag: Aus diesem Grund kann es zwar manchmal sinnvoll sein, eine andere KI zu fragen und so Hinweise auf Schwachstellen und Logikfehler zu bekommen, doch für die
Validierung des eigenen Konzepts ist eine KI grundsätzlich ungeeignet, da sie genauso wie die ursprüngliche KI in erster Linie ihrem Nutzer gefallen will und daher tendenziell ebenfalls positives
Feedback gibt.
Anmerkung: Die Zeichnung oben hat mein damals sechsjähriger Sohn angefertigt, der sich später tatsächlich als herausragendes Zeichentalent erwies, siehe das Porträt von mir unten, das er als
Jugendlicher malte. Bitte die Analogie daher nicht als Kritik oder gar Herabwürdigung verstehen, sondern als Hinweis darauf, dass echte Forschung wesentlich mehr Arbeit erfordert als nur lange
Dialoge mit einer KI, so wie aus einem sechsjährigen Talent nur mit viel Übung ein großer Maler wird.

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Heinrich (Montag, 08 Dezember 2025 17:12)
Tja, Karl, so ist das eben. Die meisten Menschen sind bequem, egoistisch, bestechlich und feige
(ich auch!). Und dann gibt es auch noch ein paar Dumme! :(
Warum nehme ich „feige“ dazu? Das kann ich hier nicht ausführen, da es politisch ist und in der Vergangenheit liegt.
Es ist egal, ob ein Populist oder eine KI den Menschen etwas „verspricht“: Wenn es ihnen scheinbar Vorteile verschafft oder sie sich in vermeintlicher Sicherheit wiegen, sind sie begeistert.
Und die wenigen Menschen, die wirklich „durchblicken“, haben viel zu wenig Macht, irgendetwas zum Positiven zu wenden. Ich wiederhole mich, wenn ich sage: Die Menschheit hat noch nie aus Fehlern gelernt!
Mit „lernen“ meine ich nicht medizinische oder technische Fortschritte, die jedoch auch nicht verhindern werden, dass der Planet zerstört wird und die Menschen sich früher oder später selbst ausrotten.
Da die Menschen sehr anpassungsfähig sind, werden sie sich an alles gewöhnen, es akzeptieren oder nicht merken, wie sie benutzt werden.
Danke für Deine unermüdliche Arbeit, das Schlimmste zu verhindern!
Gruß Heinrich
Heinrich (Montag, 08 Dezember 2025 17:21)
Hallo Karl,
die Zeichnung, die Dein Sohn von Dir gemacht hat (die zweite ;) ist künstlerisch und perfekt gezeichnet. Aber leider hat er Dich nicht in einem Moment erwischt, in dem Du glücklich, entspannt und sorgenfrei warst. Das ist vermutlich schon so lange her, da konnte er noch nicht so gut zeichnen?!
Aber dafür hast Du ja noch die erste Zeichnung. Die strahlt ungetrübte Lebensfreude aus!
Gruß Heinrich
Karl Olsberg (Montag, 08 Dezember 2025 17:32)
@Heinrich: In der Tat, als er die erste Zeichnung malte, dachte ich noch, eine KI wird frühestens irgendwann Mitte des Jahrhunderts so intelligent wie ein Mensch ...
Mausi (Donnerstag, 15 Januar 2026 14:17)
Beim ersten flüchtigen Blick auf die Krippeninstallation ( ARD Weihnachtskonzert Christmette Übertragung ) war ich wie vom Blitz getroffen: Hat »Virtua« die ersten Abbildungen des futurtauglichen Menschen in der Ewigkeit geleakt?
Jetzt erst mal im Ernst: Ein Gutes Neues Jahr für alle und darüberhinaus…